Rechtliche Einschätzung: Wann haften Trade Republic & Co.?
Online-Broker wie Trade Republic, Scalable oder Finanzen.net Zero sind vertraglich verpflichtet, ihren Nutzern jederzeit funktionierende Handelsmöglichkeiten bereitzustellen. Kurze Ausfälle sind nicht automatisch ein Haftungsfall – entstehen jedoch konkrete finanzielle Verluste durch die Störung, können Schadensersatzansprüche bestehen.
Beispiel: Wer aufgrund der Störung eine Verkaufsorder nicht platzieren konnte und deshalb Verluste erlitt, kann unter bestimmten Voraussetzungen Ersatz fordern. Die Plattformbetreiber müssen gerade in volatilen Marktphasen für zuverlässige Systeme sorgen – wiederholte oder länger andauernde Ausfälle sind nicht hinzunehmen. Hier die wichtigsten rechtlichen Eckpunkte im Überblick:
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Vertragliche Pflichten von Online-Brokern:
Online-Broker sind verpflichtet, Kundenaufträge schnellstmöglich und ordnungsgemäß auszuführen. Verzögerungen oder Nichtausführungen können eine Pflichtverletzung gemäß § 280 Abs. 1 BGB darstellen.
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Schadensersatzansprüche bei Pflichtverletzung:
Kommt es aufgrund technischer Probleme zu finanziellen Verlusten, können betroffene Kunden Schadensersatzansprüche geltend machen. Voraussetzung ist, dass der Broker die Verzögerung oder Nichtausführung zu vertreten hat.
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Zuerst Beweislast beim Kunden:
Kunden müssen nachweisen, dass ihnen durch die Pflichtverletzung ein konkreter Schaden entstanden ist und dass dieser auf das Fehlverhalten des Brokers zurückzuführen ist. Hier muss der Verbraucher den Vorgang lückenfrei dokumentieren.
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Mitverschulden des Kunden:
Gemäß § 254 BGB kann ein Mitverschulden des Kunden die Schadensersatzansprüche mindern. Kunden sollten daher bei technischen Problemen alternative Kommunikationswege nutzen, um Schäden zu vermeiden.
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Relevante Urteile:
Landgericht Nürnberg-Fürth, Az. 14 O 9971/98: Ein Online-Broker, der mit besonders schneller Orderausführung wirbt, kann haftbar gemacht werden, wenn Aufträge erheblich verzögert weitergeleitet werden.
Oberlandesgericht Nürnberg, Urteil vom 24.11.2003, Az. 8 U 36/03: Ein Discount-Broker kann sich nicht darauf berufen, dass Verzögerungen durch Dritte verursacht wurden; er haftet für das Verschulden seiner Erfüllungsgehilfen.
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Probleme bei Online Brokern: Verbraucher könnten Verluste erleiden
Nicht nur Trade Republic betroffen – auch Finanzen.net Zero und Scalable mit Problemen
Die Störung am 7. April 2025 betrifft nicht nur Trade Republic: Auch bei der Trading-Plattform Finanzen.net Zero kam es Berichten zufolge zu Ausfällen und massiven Verzögerungen bei der Orderausführung. Nutzer konnten sich nicht einloggen oder erhielten keine aktuellen Kursdaten. Besonders kritisch: Beide Anbieter richten sich explizit an Privatanleger und werben mit dem Versprechen eines einfachen, schnellen und kostengünstigen Zugangs zum Aktienmarkt – ein Anspruch, dem sie am heutigen Tag nicht gerecht wurden. Die gleichzeitigen Ausfälle werfen die Frage auf, ob die Infrastruktur hinter diesen Plattformen für starke Marktschwankungen oder erhöhtes Nutzeraufkommen ausreichend gewappnet ist. Mittlerweile sollen die Systeme beider Anbieter wieder stabil laufen und der Handel ist wieder möglich. Der morgendliche Ansturm soll die Apps und ihre Funktionen in die Knie gezwungen haben, heißt es bei tagsschau.de
Vom Trading-Gau betroffen? Tipps für Nutzer
Was, wenn Verbraucher von einer Störung beim Trader betroffen sind und offensichtlich Geld verloren haben. Dr. Stoll & Sauer gibt einige Tipps wie Anleger im Ernstfall vorgehen sollten:
- Dokumentieren Sie die Störung: Screenshots, Uhrzeiten, Fehlermeldungen – alles kann später helfen, Ansprüche zu belegen.
- Notieren Sie geplante Orders: Welche Aktien wollten Sie kaufen oder verkaufen? Zu welchem Kurs?
- Beweise für Verluste sichern: Haben sich Kurse während der Störung stark verändert? Hätte ein rechtzeitiger Verkauf oder Kauf Gewinn gebracht oder Verluste verhindert?
- Kontakt mit dem Trader aufnehmen: Reichen Sie eine Beschwerde ein und fordern Sie eine Stellungnahme.
- Rechtsrat einholen: Die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer bietet kostenlose Ersteinschätzung im Broker-Online-Check für Betroffene an.
Jetzt handeln – Fristen beachten
Verbraucher sollten nicht zögern, ihre Ansprüche prüfen zu lassen. Gerade bei Plattformen, die auf hunderttausende Kleinanleger setzen, ist ein professionelles Vorgehen entscheidend. Mit unseren Fachanwälten für Bank- und Kapitalmarktrecht gehört Dr. Stoll & Sauer zu den führenden Verbraucherkanzleien in Deutschland – unter anderem im Diesel-Skandal, bei Datenschutzverletzungen und Finanzthemen. Wir setzen Ihre Rechte durch – auch gegen große Anbieter wie Trade Republic durch. Und Betroffene sollten schnell handeln, um Fristen zu wahren.
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